Rentabilität berechnen: Formeln, Rechner und Richtwerte (2026)

Rentabilität berechnen: Formeln, Rechner und Richtwerte (2026)

Thomas Kovacs, der Sparkojote, im Anzug mit Fliege; Text: Rentabilität berechnen – Formeln und Rechner, BWL-Kennzahlen 2026

Rentabilität berechnest du immer gleich: Gewinn geteilt durch das, was du dafür eingesetzt hast, mal 100. Die Eigenkapitalrentabilität ist Reingewinn ÷ Eigenkapital, die Gesamtkapitalrentabilität (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital, die Umsatzrentabilität Reingewinn ÷ Umsatz. Beispiel: 15’000 Franken Gewinn auf 70’000 Franken Eigenkapital sind 21,4 Prozent.

Unten steht ein Rechner, der dir alle vier Kennzahlen aus sechs Zahlen deiner Erfolgsrechnung und Bilanz ausgibt – wahlweise vor oder nach Steuern. Danach kommen die Formeln mit Herleitung, ein durchgerechnetes Beispiel aus dem Nestlé-Geschäftsbericht 2025, Richtwerte je Branche und der Leverage-Effekt, der erklärt, warum Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität hebelt.

Ich habe diese Kennzahlen 2017 im Wirtschaftsunterricht gelernt und damals einen kurzen Beitrag dazu geschrieben. Seither lese ich sie in jedem Geschäftsbericht, bevor ich eine Aktie kaufe – und ich habe den Beitrag jetzt komplett neu gebaut: mit Rechner, geprüften Formeln und Quellen.

Stand: September 2026. Die Formeln sind gegen das Gabler Wirtschaftslexikon und das FinanceWiki der Universität Zürich geprüft, das Beispiel stammt aus der Konzernrechnung 2025 von Nestlé, die Branchenwerte aus der Jahresabschlussstatistik der Deutschen Bundesbank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eigenkapitalrentabilität = Gewinn ÷ Eigenkapital × 100 – die Verzinsung des Geldes der Eigentümer.
  • Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100 – die Verzinsung des ganzen Kapitals, unabhängig von der Finanzierung.
  • Umsatzrentabilität = Gewinn ÷ Umsatz × 100 – wie viel Rappen von jedem Umsatzfranken als Gewinn bleiben.
  • ROI = Gewinn ÷ Gesamtkapital × 100 = Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag.
  • Richtwerte: Über alle Branchen liegt die Umsatzrendite vor Steuern bei rund 3 Prozent und die Gesamtkapitalrendite bei rund 4 Prozent (Bundesbank-Statistik 2022). Faustregel der Fachliteratur: Gesamtkapitalrentabilität ab 10 Prozent gut, Eigenkapitalrentabilität ab 20 Prozent gut.
  • Leverage-Effekt: Liegt die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins, steigt die Eigenkapitalrentabilität mit jedem Franken Schulden – und fällt genauso schnell, wenn es umgekehrt ist.

Rentabilitäts-Rechner: Eigenkapital-, Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität berechnen

Sechs Eingaben, vier Kennzahlen. Der Rechner nimmt den Reingewinn nach Steuern als Basis; mit dem Umschalter «vor Steuern» rechnet er mit Reingewinn plus Gewinnsteuern. Die drei Beispiel-Knöpfe laden ein KMU-Beispiel, die Konzernrechnung 2025 von Nestlé (in Millionen Franken) und ein Hebel-Beispiel mit hohem Fremdkapitalanteil.

Rechner

Rentabilität berechnen

Trag die Zahlen aus Erfolgsrechnung und Bilanz ein – Eigenkapital-, Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität sowie der ROI erscheinen sofort. Ein Beispiel ist vorausgefüllt.

Beispiel laden:
Eigenkapitalrentabilität–Gewinn ÷ Eigenkapital
Gesamtkapitalrentabilität–(Gewinn + Zinsen) ÷ Gesamtkapital
Umsatzrentabilität–Gewinn ÷ Umsatz
ROI–Gewinn ÷ Gesamtkapital

–

Fremdkapital
–
Fremdkapitalzinssatz
–
Kapitalumschlag
–
Rechenbasis
–

Formeln: Eigenkapitalrentabilität = Gewinn ÷ Eigenkapital · Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital · Umsatzrentabilität = Gewinn ÷ Umsatz · ROI = Gewinn ÷ Gesamtkapital = Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag. Bei «vor Steuern» rechnet der Rechner mit Gewinn plus Gewinnsteuern. Nestlé-Werte in Millionen CHF. Herleitung und Quellen stehen im Text.

Was ist Rentabilität? Definition in einem Satz

Rentabilität ist das Verhältnis eines Erfolgs zum eingesetzten Kapital oder zum Umsatz einer Periode, ausgedrückt in Prozent. Sie beantwortet die Frage «Wie viel hat sich das Geld in diesem Unternehmen in diesem Jahr verzinst?» – und macht damit ein Kaffeehaus mit 100’000 Franken Kapital mit einem Konzern mit 127 Milliarden vergleichbar. Der absolute Gewinn sagt dir nichts über die Qualität eines Geschäfts; erst die Rentabilität zeigt, ob das Kapital dort besser arbeitet als in einem breit gestreuten ETF.

Je nachdem, welchen Kapitalbegriff du in den Nenner setzt, sprichst du von Eigenkapital-, Gesamtkapital- oder Umsatzrentabilität. Und je nachdem, welchen Gewinn du in den Zähler setzt, rechnest du vor oder nach Steuern, mit oder ohne Fremdkapitalzinsen. Genau das ist der Grund, warum zwei Quellen für dieselbe Firma zwei verschiedene «Rentabilitäten» nennen können. Die Formeln unten sind gegen das Gabler Wirtschaftslexikon und das FinanceWiki der Universität Zürich geprüft.

Eigenkapitalrentabilität: Formel und Beispiel

Eigenkapitalrentabilität = Reingewinn ÷ Eigenkapital × 100

Die Eigenkapitalrentabilität (englisch Return on Equity, ROE) zeigt, wie sich das Geld der Eigentümer verzinst hat. Im Zähler steht der Gewinn nach Fremdkapitalzinsen – die Zinsen gehören den Gläubigern, nicht den Eigentümern. Im Nenner steht das Eigenkapital aus der Bilanz; sauberer ist der Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand des Jahres, weil der Gewinn über das ganze Jahr entstanden ist.

Beispiel Kaffeehaus: 15’000 Franken Reingewinn ÷ 70’000 Franken Eigenkapital × 100 = 21,4 Prozent. Wer dem Kaffeehaus als Eigentümer 70’000 Franken gegeben hat, hat in diesem Jahr 21,4 Prozent darauf verdient – vor allfälliger Ausschüttung.

Zwei Fallen: Erstens lässt sich die Eigenkapitalrentabilität durch mehr Schulden hochtreiben, ohne dass das Geschäft besser wird (siehe Leverage-Effekt unten). Zweitens wird sie bei sehr kleinem Eigenkapital absurd hoch – ein Unternehmen mit 1’000 Franken Eigenkapital und 5’000 Franken Gewinn hat 500 Prozent, sagt aber nichts über die Substanz. Darum immer zusammen mit der Eigenkapitalquote und der Gesamtkapitalrentabilität lesen.

Gesamtkapitalrentabilität: Formel und warum die Fremdkapitalzinsen dazukommen

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100

Die Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets, ROA) misst, wie sich das gesamte Kapital verzinst – Eigen- und Fremdkapital zusammen, also die Bilanzsumme. Weil das Fremdkapital im Nenner steht, muss auch sein Ertrag in den Zähler: Die Fremdkapitalzinsen sind der Teil des Erfolgs, den das Unternehmen an die Gläubiger weitergibt. Sie zum Gewinn zu addieren, macht die Kennzahl unabhängig davon, wie ein Unternehmen finanziert ist.

Beispiel Kaffeehaus: (15’000 Franken Gewinn + 900 Franken Zinsen) ÷ 100’000 Franken Gesamtkapital × 100 = 15,9 Prozent. Das ist die Verzinsung, die das Geschäft an sich erwirtschaftet – egal ob die 100’000 Franken vom Eigentümer oder von der Bank kommen.

Das KMU-Portal des SECO bringt es auf den Punkt: Die Gesamtkapitalrentabilität muss über dem Fremdkapitalzins liegen, sonst rentiert das Unternehmen nicht – es zahlt der Bank mehr, als das geliehene Geld einbringt. Genau das ist der Prüfstein, den ich bei jeder Aktie zuerst anlege.

Umsatzrentabilität berechnen: Brutto und Netto

Umsatzrentabilität = Reingewinn ÷ Umsatz × 100

Die Umsatzrentabilität (Umsatzrendite, Netto-Marge) sagt, wie viel von jedem Umsatzfranken als Gewinn übrig bleibt. Beim Kaffeehaus: 15’000 ÷ 90’000 × 100 = 16,7 Prozent, also knapp 17 Rappen pro Franken. Das Gabler Wirtschaftslexikon unterscheidet zwei Varianten:

  • Netto-Umsatzrentabilität: Gewinn nach Zinsen und Steuern ÷ Umsatz. Das ist die Zahl, die Geschäftsberichte als «Reingewinn in Prozent des Umsatzes» ausweisen – Nestlé nennt für 2025 10,1 Prozent.
  • Brutto-Umsatzrentabilität (EBIT-Marge): Gewinn vor Zinsen und Steuern ÷ Umsatz. Sie blendet Finanzierung und Steuern aus und eignet sich darum besser für den Vergleich zwischen Firmen und Ländern.

Die Umsatzrentabilität ist die Kennzahl mit der grössten Branchenabhängigkeit. Ein Grossverteiler lebt mit 2 Prozent bestens, weil er jeden Franken mehrmals im Jahr umschlägt; ein Softwarehaus mit 2 Prozent hat ein Problem. Darum nie ohne den Kapitalumschlag lesen – womit wir beim ROI sind.

ROI berechnen: Formel und die DuPont-Zerlegung

ROI = Reingewinn ÷ Gesamtkapital × 100 = Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag

Der Return on Investment ist im engen Sinn die Gewinnverzinsung des Gesamtkapitals. Sein Nutzen liegt in der Zerlegung, die das DuPont-Kennzahlensystem berühmt gemacht hat: Gewinn ÷ Gesamtkapital lässt sich erweitern zu (Gewinn ÷ Umsatz) × (Umsatz ÷ Gesamtkapital). Der erste Faktor ist die Umsatzrentabilität, der zweite der Kapitalumschlag – wie oft das Kapital pro Jahr über den Umsatz «durchgedreht» wird.

Beispiel Kaffeehaus: Umsatzrentabilität 16,7 Prozent × Kapitalumschlag 0,9 (90’000 ÷ 100’000) = 15,0 Prozent ROI. Nestlé 2025: 10,1 Prozent × 0,70 = 7,1 Prozent. Der Konzern hat die höhere Marge pro Franken Umsatz, das Kaffeehaus dreht sein Kapital schneller – und landet beim doppelten ROI.

Im Alltag wird «ROI» oft lockerer verwendet, etwa für die Rendite einer einzelnen Investition (Ertrag ÷ Einsatz). Das ist nicht falsch, aber eine andere Rechnung. Im Rechner oben meint ROI immer die bilanzielle Variante. Wenn Gewinn vor Zinsen und Steuern im Zähler steht, entspricht der ROI der Gesamtkapitalrentabilität vor Steuern – so definiert es das Gabler Wirtschaftslexikon.

ROCE: Rendite auf das betrieblich gebundene Kapital

ROCE = EBIT ÷ (Gesamtkapital − kurzfristiges, unverzinsliches Fremdkapital) × 100

Der Return on Capital Employed ist die Kennzahl der Analysten. Im Zähler steht das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), im Nenner nur das Kapital, das dauerhaft im Geschäft gebunden ist – Lieferantenverbindlichkeiten und andere kurzfristige, zinslose Posten werden abgezogen. Bei Nestlé 2025: 12’277 Millionen EBIT ÷ (127’151 − 40’694 kurzfristiges Fremdkapital) = 14,2 Prozent. Ein ROCE über den Kapitalkosten des Unternehmens bedeutet, dass es Wert schafft; darunter vernichtet es Wert.

Fremdkapitalrentabilität: die Kennzahl, die ich 2017 falsch gerechnet habe

In der ersten Fassung dieses Beitrags stand, das Kaffeehaus habe eine «Fremdkapitalrentabilität von 50 Prozent» – ich hatte den Gewinn durch das Fremdkapital geteilt. Das ergibt keine Kennzahl, die irgendjemand verwendet. Was es gibt, ist die Fremdkapitalrentabilität als Verzinsung des Fremdkapitals aus Sicht der Gläubiger: Fremdkapitalzinsen ÷ Fremdkapital × 100. Beim Kaffeehaus mit 900 Franken Zinsen auf 30’000 Franken Schulden sind das 3,0 Prozent – nichts anderes als der durchschnittliche Fremdkapitalzinssatz. Der Rechner zeigt ihn als «Fremdkapitalzinssatz», und genau dieser Wert entscheidet über den Leverage-Effekt.

Vor oder nach Steuern rechnen?

Beides ist üblich, man muss nur wissen, was man vor sich hat. Nach Steuern rechnet aus Sicht der Eigentümer: Was bleibt, nachdem der Staat bedient ist. Das ist die Variante für Anleger, und die Standardeinstellung im Rechner. Vor Steuern eignet sich für den Vergleich zwischen Firmen an verschiedenen Standorten – ein Unternehmen im Kanton Zug und eines in Deutschland unterscheiden sich in der Steuerlast um gut zehn Prozentpunkte des Gewinns, nicht in der Qualität des Geschäfts.

Die Jahresabschlussstatistik der Bundesbank weist ihre Umsatzrendite darum als «Jahresergebnis vor Gewinnsteuern in Prozent des Umsatzes» aus, die Gesamtkapitalrendite dagegen aus «Jahresergebnis und Zinsaufwendungen» nach Steuern. Wer Tabellen vergleicht, muss diese Fussnoten lesen – sonst vergleicht er 3 Prozent vor Steuern mit 2 Prozent nach Steuern und zieht falsche Schlüsse.

Was ist ein guter Wert? Richtwerte je Branche

Eine allgemeingültige «gute Rentabilität» gibt es nicht; sie hängt an der Branche, an der Kapitalintensität und am Zinsniveau. Zwei Anhaltspunkte sind trotzdem belastbar: die Faustregeln der Fachliteratur und die amtliche Jahresabschlussstatistik. Für die Schweiz veröffentlicht das Bundesamt für Statistik keine aktuelle Branchentabelle mit Rentabilitäten (die letzten «Buchhaltungsergebnisse» stammen von 2016); die Deutsche Bundesbank tut es jährlich für über hundert Wirtschaftszweige. Die Grössenordnungen sind für Schweizer KMU übertragbar, die Steuerlast nicht.

Faustregeln aus der Fachliteratur

KennzahlFaustregelQuelle
Eigenkapitalrentabilitätab 10 % befriedigend, 20–25 % gut bis sehr gut; sie soll über Kapitalmarktzins plus Risikoprämie liegenControlling-Portal (Erichsen, 2025)
Gesamtkapitalrentabilitätmindestens 5–8 %, ab 10–12 % gut; in jedem Fall über dem FremdkapitalzinsControlling-Portal (Erichsen, 2025), KMU-Portal des SECO
Umsatzrentabilitätkeine Faustregel – nur der Branchenvergleich zählt (siehe Tabelle unten)Gabler Wirtschaftslexikon (Schöning)
ROI / ROCEüber den Kapitalkosten des Unternehmens, sonst wird Wert vernichtetWelt der BWL
Faustregeln, keine Normen. Sie stammen aus deutschsprachiger Fachliteratur und gelten für Nichtfinanzunternehmen; Banken und Versicherer rechnen anders.

Rentabilität nach Branche: die amtliche Statistik

BrancheUmsatzrendite (vor Steuern)Gesamtkapitalrendite (nach Steuern)EK-QuoteEK-Rendite (nach Steuern)*
Alle Wirtschaftszweige3,1 %4,1 %31,1 %9,6 %
Verarbeitendes Gewerbe4,0 %4,0 %30,8 %8,3 %
davon Maschinenbau4,7 %4,6 %31,2 %11,8 %
davon Nahrungsmittel1,9 %4,1 %34,6 %9,5 %
Baugewerbe6,4 %4,4 %17,2 %23,1 %
Grosshandel3,2 %7,5 %34,4 %19,0 %
Einzelhandel2,0 %4,8 %30,1 %13,0 %
Verkehr und Lagerei7,6 %7,2 %36,5 %14,9 %
Gastgewerbe3,3 %3,7 %36,0 %7,6 %
Information und Kommunikation8,8 %6,8 %26,3 %21,8 %
davon IT-Dienstleistungen5,7 %4,5 %29,9 %12,0 %
Unternehmensdienstleistungen5,2 %5,2 %30,3 %13,3 %
Deutsche Bundesbank, Jahresabschlussstatistik (Verhältniszahlen), Mai 2025, Unternehmen in Deutschland, Geschäftsjahr 2022, alle Grössenklassen. Umsatzrendite = Jahresergebnis vor Gewinnsteuern in Prozent des Umsatzes; Gesamtkapitalrendite = Jahresergebnis und Zinsaufwendungen in Prozent der Bilanzsumme. *EK-Rendite = Eigenkapitalrendite, aus denselben Tabellenzeilen abgeleitet (Jahresergebnis ÷ Eigenmittel), eigene Rechnung; EK-Quote = Eigenmittel in Prozent der Bilanzsumme.

Was die Tabelle zeigt: Das Baugewerbe hat die höchste Eigenkapitalrendite, aber nur, weil es mit 17 Prozent Eigenkapitalquote arbeitet – der Hebel macht es. Der Grosshandel verdient pro Umsatzfranken wenig, dreht das Kapital aber so schnell, dass die Gesamtkapitalrendite mit 7,5 Prozent zu den besten gehört. Und «Alle Wirtschaftszweige» mit 3,1 Prozent Umsatzrendite ist der ernüchternde Normalfall: Die meisten Unternehmen verdienen pro Franken Umsatz drei Rappen vor Steuern.

Der Leverage-Effekt: wie Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität hebelt

Eigenkapitalrentabilität = Gesamtkapitalrentabilität + (Gesamtkapitalrentabilität − Fremdkapitalzins) × Fremdkapital ÷ Eigenkapital

Das ist die Formel, die alle drei Kennzahlen verbindet – und der Grund, warum eine hohe Eigenkapitalrentabilität allein noch kein Qualitätsmerkmal ist. Solange das Kapital im Geschäft mehr verdient, als die Bank dafür verlangt, verdient jeder geliehene Franken die Differenz für die Eigentümer. Ein Rechenpfad in drei Schritten:

  1. Gesamtkapitalrentabilität bestimmen: Ein Unternehmen verdient vor Zinsen 80’000 Franken auf 1’000’000 Franken Gesamtkapital – 8 Prozent.
  2. Fremdkapitalzins abziehen: 750’000 Franken sind zu 4 Prozent geliehen, also 30’000 Franken Zinsen. Auf den Schulden bleibt eine Marge von 8 − 4 = 4 Prozentpunkten.
  3. Auf das Eigenkapital hochrechnen: 8 % + (8 % − 4 %) × 750’000 ÷ 250’000 = 8 % + 4 % × 3 = 20 Prozent Eigenkapitalrentabilität. Kontrolle: 80’000 − 30’000 = 50’000 Franken Reingewinn ÷ 250’000 Franken Eigenkapital = 20 Prozent.

Jetzt dieselbe Firma, aber die Bank verlangt 10 Prozent: 75’000 Franken Zinsen, 5’000 Franken Reingewinn, Eigenkapitalrentabilität 2 Prozent. Formel: 8 % + (8 % − 10 %) × 3 = 2 %. Das Geschäft ist exakt gleich gut, nur die Finanzierung frisst den Gewinn. Der Hebel funktioniert in beide Richtungen, und er wirkt umso stärker, je höher der Verschuldungsgrad ist.

Für Anleger ist das dieselbe Mechanik wie beim Lombardkredit auf das Depot: Solange die Depotrendite über dem Kreditzins liegt, hebelt der Kredit die Eigenkapitalrendite nach oben – und ein einziges schlechtes Jahr kehrt das Vorzeichen um. Der Rechner oben zeigt dir zu jeder Eingabe, ob der Hebel gerade positiv oder negativ wirkt.

So liest du die Rentabilität im Geschäftsbericht: Beispiel Nestlé 2025

Alles, was du für die vier Kennzahlen brauchst, steht auf drei Seiten der Konzernrechnung – bei Nestlé auf den Seiten 80, 82 bis 83 und 104 der «Konzernrechnung der Nestlé-Gruppe 2025». Die Positionen heissen in jedem Geschäftsbericht nach Swiss GAAP FER oder IFRS ähnlich:

PositionNestlé 2025 (Mio. CHF)Wo im Bericht
Umsatz89’490Konsolidierte Erfolgsrechnung, S. 80
Betriebsergebnis (EBIT)12’277Erfolgsrechnung, S. 80
Steuern2’640Erfolgsrechnung, S. 80
Den Aktionären zurechenbarer Jahresgewinn (Reingewinn)9’033Erfolgsrechnung, S. 80
Total Aktiven (Bilanzsumme = Gesamtkapital)127’151Konsolidierte Bilanz, S. 82
Total kurzfristiges Fremdkapital40’694Bilanz, S. 83
Den Aktionären zurechenbares Eigenkapital32’810Bilanz, S. 83
Zinsaufwand1’683Anmerkung 5 Nettofinanzaufwand, S. 104
Werte in Millionen Franken, gerundet; Quelle Nestlé, Konzernrechnung 2025 (Februar 2026). Aktionärssicht: Reingewinn und Eigenkapital ohne Minderheitsanteile.

Daraus ergeben sich nach Steuern: Eigenkapitalrentabilität 27,5 Prozent (9’033 ÷ 32’810), Gesamtkapitalrentabilität 8,4 Prozent ((9’033 + 1’683) ÷ 127’151), Umsatzrentabilität 10,1 Prozent (9’033 ÷ 89’490) und ROI 7,1 Prozent (9’033 ÷ 127’151). Die Umsatzrentabilität kannst du direkt kontrollieren: Nestlé weist auf Seite 80 selbst «Reingewinn 10,1 % des Umsatzes» aus. Der Fremdkapitalzinssatz liegt bei 1,8 Prozent (1’683 ÷ 94’341) – weit unter der Gesamtkapitalrentabilität, der Hebel wirkt also positiv und erklärt, warum aus 8,4 Prozent auf das Gesamtkapital 27,5 Prozent auf das Eigenkapital werden.

Für die Steuern gilt eine Einschränkung: Die 2’640 Millionen sind die Steuern des ganzen Konzerns, während Reingewinn und Eigenkapital hier in der Aktionärssicht ohne Minderheitsanteile stehen. Die Werte «vor Steuern» im Rechner sind für Nestlé darum eine Näherung – für die Einordnung reicht das, für eine Analystenpräsentation nimmst du den Jahresgewinn inklusive Minderheiten.

Bei Dividendenaktien lese ich zuerst die Gesamtkapitalrentabilität und die Eigenkapitalquote, erst dann die Eigenkapitalrentabilität. Welche sieben Kennzahlen ich sonst noch prüfe, steht im Beitrag Dividenden-Aktien: Auf diese 7 Kennzahlen musst du achten; wie ich daraus ein Einkommen baue, auf der Seite Dividendenstrategie Schweiz.

Rentabilität und Rendite: der Unterschied

Die Wörter werden gern vermischt. Rentabilität ist die Kennzahl eines Unternehmens: Gewinn im Verhältnis zum Kapital, das im Unternehmen steckt. Rendite ist die Kennzahl eines Anlegers: Ertrag im Verhältnis zum Preis, den er bezahlt hat. Nestlé kann 27,5 Prozent Eigenkapitalrentabilität erwirtschaften und dir trotzdem nur 3 Prozent Dividendenrendite bringen, weil du an der Börse ein Vielfaches des Buchwerts bezahlst. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis ist die Brücke zwischen den beiden: Eigenkapitalrentabilität ÷ KBV ergibt ungefähr die Gewinnrendite auf deinen Kaufpreis.

Was eine Rendite über die Jahre mit deinem Kapital macht, rechnet der Zinseszinsrechner aus; alle Rechner findest du unter Meine Finanztools.

Mein Blick darauf

Als ich diesen Beitrag 2017 schrieb, hatte mein eigenes kleines Business im Jahr 2016 eine Gesamtkapitalrentabilität von 43,5 Prozent und eine Umsatzrentabilität von 41,1 Prozent erreicht. Das klang grossartig – und war es auch, solange man das Kapital dazusagt: Bei ein paar tausend Franken Einsatz ist eine hohe Prozentzahl leicht, bei hundert Millionen ist sie eine Leistung. Genau das ist die Lektion, die mir seither bei jeder Aktie hilft: Prozentzahlen immer mit der Basis lesen.

Heute schaue ich bei einem Unternehmen zuerst auf drei Dinge: Liegt die Gesamtkapitalrentabilität stabil über dem Fremdkapitalzins? Kommt die Eigenkapitalrentabilität aus dem Geschäft oder aus dem Hebel? Und hält die Umsatzrentabilität über einen ganzen Zyklus, nicht nur in einem guten Jahr? Wer diese drei Fragen mit dem Rechner oben und einem Geschäftsbericht beantworten kann, versteht mehr von einer Firma als die meisten, die nur den Kurs anschauen.

Häufige Fragen zur Rentabilität

Wie berechnet man die Rentabilität?

Gewinn geteilt durch die Bezugsgrösse, mal 100. Bezugsgrösse ist das Eigenkapital (Eigenkapitalrentabilität), das Gesamtkapital inklusive Fremdkapitalzinsen im Zähler (Gesamtkapitalrentabilität) oder der Umsatz (Umsatzrentabilität). Beispiel: 15’000 Franken Gewinn auf 70’000 Franken Eigenkapital ergeben 21,4 Prozent.

Wie lautet die Formel der Eigenkapitalrentabilität?

Eigenkapitalrentabilität = Reingewinn ÷ Eigenkapital × 100. Der Gewinn steht nach Fremdkapitalzinsen und meist nach Steuern; sauberer ist das durchschnittliche Eigenkapital des Jahres im Nenner.

Wie lautet die Formel der Gesamtkapitalrentabilität?

Gesamtkapitalrentabilität = (Reingewinn + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100. Das Gesamtkapital ist die Bilanzsumme. Die Zinsen kommen dazu, weil sie der Ertrag des Fremdkapitals sind, das im Nenner mitgezählt wird.

Wie berechnet man die Umsatzrentabilität?

Umsatzrentabilität = Gewinn ÷ Umsatz × 100. Mit dem Reingewinn ergibt das die Netto-Marge, mit dem Gewinn vor Zinsen und Steuern die EBIT-Marge. Nestlé wies für 2025 eine Netto-Umsatzrentabilität von 10,1 Prozent aus.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität?

Die Eigenkapitalrentabilität misst die Verzinsung aus Sicht der Eigentümer und hängt von der Finanzierung ab; die Gesamtkapitalrentabilität misst die Verzinsung des ganzen Kapitals und ist davon unabhängig. Die Differenz zwischen beiden entsteht durch den Leverage-Effekt.

Was ist eine gute Rentabilität?

Als Faustregel gilt eine Gesamtkapitalrentabilität ab 10 Prozent und eine Eigenkapitalrentabilität ab 20 Prozent als gut; in jedem Fall muss die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins liegen. Real liegt der Durchschnitt über alle Branchen laut Bundesbank-Statistik 2022 bei rund 4 Prozent Gesamtkapitalrendite und 3 Prozent Umsatzrendite vor Steuern.

Was ist der Leverage-Effekt?

Liegt die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzins, erhöht jeder Franken Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität: Eigenkapitalrentabilität = Gesamtkapitalrentabilität + (Gesamtkapitalrentabilität − Fremdkapitalzins) × Fremdkapital ÷ Eigenkapital. Liegt sie darunter, wirkt der Hebel negativ.

Was ist der ROI und wie berechnet man ihn?

ROI = Gewinn ÷ Gesamtkapital × 100. Er lässt sich in Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag zerlegen: (Gewinn ÷ Umsatz) × (Umsatz ÷ Gesamtkapital). Umgangssprachlich meint ROI auch die Rendite einer einzelnen Investition, Ertrag geteilt durch Einsatz.

Rentabilität vor oder nach Steuern berechnen?

Nach Steuern aus Sicht der Eigentümer und Anleger, vor Steuern für den Vergleich zwischen Firmen an verschiedenen Standorten. Wichtig ist nur, die Variante zu nennen: 3 Prozent Umsatzrendite vor Steuern und 2 Prozent nach Steuern können dasselbe Unternehmen sein.

Wo finde ich die Zahlen für die Rentabilität im Geschäftsbericht?

Gewinn, Umsatz, Steuern und Finanzaufwand in der Erfolgsrechnung, Eigenkapital und Bilanzsumme in der Bilanz, den Zinsaufwand meist in einer Anmerkung zum Finanzergebnis. Bei Nestlé 2025 sind das die Seiten 80, 82 bis 83 und 104 der Konzernrechnung.

Dieser Beitrag ist eine Einordnung und keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Nestlé-Zahlen sind gerundete Werte aus der publizierten Konzernrechnung 2025; massgebend ist das Original. Alle Angaben am 18. September 2026 geprüft.

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2 Responses

  1. Ahsen sagt:

    Hi,

    also ich nutze u.a. die Eigenkapitalrendite bei der Auswahl der Aktien. Aber das ist nur eine Komponente von einigen anderen die ich habe, bevor ich eine Aktie kaufe oder verkaufe. Umsatz, Gewinn, Produkt und einige Merkmale im Chart sind in meiner Strategie ebenfalls enthalten.

    Gruß
    Ahsen von http://www.shazad.de

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