Wohnungsnot: Warteschlangen, Betrug und Wucher – willkommen in Zürich! (Reaction)
Die Wohnungssuche in der Schweiz – insbesondere in Städten wie Zürich – ist nicht einfach nur mühsam. Sie ist für viele ein regelrechter Albtraum. Lange Schlangen, überteuerte Mieten, zweifelhafte Geschäftsmodelle und im schlimmsten Fall sogar handfester Betrug. In diesem Artikel zeige ich Dir anhand konkreter Beispiele, wie krass die Situation aktuell ist, wie man überhaupt noch eine Wohnung findet – und was vielleicht langfristig helfen kann.
Die Realität: Wohnungssuche in Zürich? Lieber nicht.
Stundenlanges Anstehen – ohne Happy End
Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Wohnungssuche in Zürich. Eine Besichtigung beim Hegibachplatz ist mir besonders im Kopf geblieben: eine endlose Schlange mit bestimmt 300 Leuten, alle mit der Hoffnung, ein neues Zuhause zu finden. Ich stand über eine Stunde in der Kälte – nur um dann zu hören: „Fertig, wir verteilen keine Zettel mehr.“ Kein Witz, die Besichtigung war vorbei, bevor ich überhaupt reinkam. Und ich war nicht der Einzige, der enttäuscht wieder kehrtmachen musste.
Der Wohnungsmarkt ist leergefegt – und das seit Jahren
Zürichs Leerstand auf Rekordtief
Seit über 10 Jahren sinkt die Anzahl der leerstehenden Wohnungen in Zürich. Letztes Jahr lag sie auf dem tiefsten Stand überhaupt. Eine Dreizimmerwohnung für 1600 Franken? Da stehen Hunderte an – und zwar wortwörtlich.
Ausweichen in die Agglo: Mehr Chancen, weniger Kosten
Ich selbst habe nach einigen Monaten aufgegeben und angefangen, mich in der Agglomeration umzusehen. Und ganz ehrlich: Das war die beste Entscheidung. Die Mietpreise sind günstiger, die Chancen stehen besser – und selbst steuerlich kann das Ganze attraktiver sein als in der Stadt Zürich selbst.
Online-Portale: Hoffnung und Frust zugleich
Homegate, Immoscout & Co – überrannt und überfordert
Wenn Du eine Wohnung auf Homegate ausschreibst, weil Du sie ausserterminlich kündigst, wirst Du innerhalb kürzester Zeit zugespammt. Die Flut an Anfragen ist enorm – und zeigt, wie verzweifelt viele auf der Suche sind.
Pay-to-Win: MieterPlus-Abo bei Homegate
Dass Homegate ein „MieterPlus“-Abo anbietet, hat mich ehrlich überrascht. Für rund 40 Franken im Monat bekommst Du exklusiven Zugang zu neuen Inseraten, Tage bevor sie öffentlich erscheinen. Klar, das riecht nach Pay-to-Win – wer zahlt, hat bessere Chancen. Für viele kann das den entscheidenden Unterschied machen, denn manche Wohnungen schaffen es gar nicht mehr in den öffentlichen Bereich.
Mein Fazit dazu: Ich finde es nicht verwerflich. Es ist ein zusätzliches Angebot – nicht mehr, nicht weniger. Ich habe übrigens meine aktuelle Wohnung auch ganz ohne Abo über das kostenlose Basisangebot gefunden.
Nicht alles ist Gold: Betrug lauert überall
3880 Franken Vorkasse – für eine Wohnung, die nicht existiert
Ein besonders dreister Fall: Eine vermeintliche Vermieterin bietet eine Wohnung an, verlangt aber 3880 Franken Vorauskasse – ohne Besichtigung. Am Ende stellt sich heraus: Die Wohnung existiert nicht einmal. Die eigentliche Besitzerfamilie lebt noch dort, und sie hatten nie etwas davon gewusst.
Das ist kein Einzelfall. Immer häufiger kursieren Fake-Inserate, bei denen Wohnungen angeboten werden, die gar nicht existieren oder bei denen Vorauszahlungen verlangt werden, ohne dass überhaupt eine Besichtigung möglich ist.
Möbel übernehmen? Zwischen fair und frech
Vermieter oder Vormieter setzen Druck auf Interessenten
Ein weiteres Phänomen: Vormieter verlangen Geld für ihre Möbel – und machen die Weitergabe der Kontaktdaten zur Verwaltung davon abhängig. Ein Fallbeispiel: 1000 Franken für zwei Schränke und Vorhänge – sonst bekommst Du nicht einmal die Chance, Dich zu bewerben.
In einem anderen Fall sind es 3000 Franken für einen IKEA-Schrank. Klar, das ist übertrieben. Aber grundsätzlich: Wenn der Preis passt und man sich einig wird, ist es doch völlig legitim, Möbel zu übernehmen. Ich selbst habe mal 200 Franken für ein Metallregal und einen Windschutz auf dem Balkon gezahlt – fand ich praktisch und fair.
Wichtig ist: Es muss freiwillig bleiben. Sobald Druck aufgebaut wird, wird’s problematisch.
Die Schattenseiten des Wohnungsmarkts
Zweiklassengesellschaft durch Premium-Zugang
Das MieterPlus-Abo ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Zweiklassengesellschaft bildet. Wer mehr zahlt, hat bessere Chancen. Für Leute in akuter Wohnungsnot ist das problematisch. Gleichzeitig ist es aber auch ein Marktmechanismus – und nicht illegal.
Makler, Plattformen und die Untätigkeit bei Betrugsfällen
Die Plattformbetreiber scheinen teils überfordert oder reagieren zu spät. Dass ein betrügerisches Inserat trotz Meldung wochenlang online bleibt, ist inakzeptabel. Gerade Menschen, die keine Erfahrung haben oder unter Druck stehen, fallen leicht auf solche Maschen rein.
Was kannst Du tun? Tipps für die Wohnungssuche
#1 Raus aus Zürich – rein in die Agglomeration
Wenn Du nicht zwingend in der Stadt wohnen musst, dann such im Umland. Die Chancen sind höher, die Preise besser, und oft ist die Lebensqualität sogar höher.
#2 Augen auf bei Angeboten: Wenn’s zu gut klingt…
Eine 3-Zimmer-Wohnung für 1600 Franken in Toplage? Sei vorsichtig. Lass Dir nie den Zugang zur Wohnung verwehren, bevor Du etwas unterschreibst oder bezahlst. Und immer auf offiziellen Wegen kommunizieren.
#3 Sei schnell und vorbereitet
Wenn Du ein Inserat findest, das Dich interessiert, dann zögere nicht. Die Konkurrenz schläft nicht. Ein Standard-Dossier mit Betreibungsauszug, Lohnnachweis, Ausweiskopie und Referenzen sollte jederzeit griffbereit sein.
#4 Prüfe die Angebote und bleib kritisch
Egal ob MieterPlus-Abo oder Möbelübernahme: Hinterfrage den Preis, den Nutzen und ob es für Dich persönlich Sinn macht. Und wenn es sich komisch anfühlt – lieber Finger weg.
Mein Fazit: Der Wohnungsmarkt ist hart – aber nicht ausweglos
Ich bin ganz ehrlich: Die Situation ist angespannt. Zürich ist ein hart umkämpfter Markt, die Chancen auf eine faire Wohnung ohne Zusatzkosten und Stress sind gering. Aber es gibt Wege – und wer flexibel ist, hat bessere Karten.
Betrug, überteuerte Möbel, bezahlte Vorteile – das alles gehört inzwischen leider dazu. Doch mit der richtigen Strategie, einem kritischen Blick und etwas Durchhaltevermögen kannst auch Du eine passende Wohnung finden.
Zürich selbst? Würde ich persönlich meiden. Der Kanton Zürich bietet genug Alternativen, die entspannter, günstiger und oft lebenswerter sind.
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One Response
Die beiden ganz grossen «Elefanten», welche überhaupt zu dieser Situation geführt haben, erwähnst Du leider nicht in Deinem Beitrag.