Bitcoin = Tulpenmanie 2.0? Tim Schäfer zerlegt Bitcoin
Wir sind am Börsentag Zürich – und du kannst dir vorstellen, der Saal brodelt. Auf der einen Seite stehe ich, ganz klar pro Bitcoin. Auf der anderen Seite Tim Schäfer, ein erfahrener Börsenjournalist aus New York, der Bitcoin mit grosser Skepsis betrachtet. Heute geht’s nicht um Washworte, sondern um ein Battle der Thesen: Warum ich an Bitcoin glaube – und warum Tim das Gegenteil vertritt.
Ich finde so ein Gegenüber wichtig. Gerade wenn du fest in deiner Sicht stehst, sind konträre Perspektiven Gold wert. Also: Lehn dich zurück – und lass uns in die Argumente eintauchen.
Warum Tim Schäfer Bitcoin skeptisch sieht
Kein intrinsischer Wert – das Kernthema
Tim bringt es auf den Punkt: Für ihn ist Bitcoin letztlich eine digitale Währung, deren Wert sich rein aus Angebot und Nachfrage ergibt – ohne fundamentale Kennzahlen.
Er kritisiert, dass du bei Bitcoin kein KGV, keine Produktionszahlen, keine Mitarbeiter, keine Patente hast, wie du sie bei klassischen Firmen hast. Damit fehlt ihm die greifbare Basis, mit der man den Wert eines Investments messen könnte.
Das erinnert ihn an historische Übertreibungsblasen: Wenn die Menschen den Glauben verlieren, kann der Kurs abrupt kollabieren.
Gold vs. Bitcoin – ein historischer Vergleich
Ein klassischer Einwand von mir war: Aber ist Gold nicht ebenfalls ein relativ “wertloses” Asset ohne Produktionswert? Tim kontert souverän:
- Gold existiert seit tausenden von Jahren in Kultur, Schmuck und als Wertaufbewahrungsmittel – Bitcoin nur seit etwa 15 Jahren.
- Gold ist physisch, greifbar, hat historische Verankerung und einen Sammelwert.
- Bei Bitcoin hingegen ist der Ursprung unklar: Der Schöpfer ist unbekannt, Hauptakteure halten grosse Bestände – und wenn diese verkaufen, könnte der Markt abrupt einstürzen.
Für Tim reicht die kurze Geschichte von Bitcoin nicht aus, um langfristige Vertrauensbildung zu begründen.
Kann Bitcoin jemals “etwas werden”?
Als ich Tim fragte, ob er ausschliesst, dass Bitcoin in Zukunft an Bedeutung gewinnt, antwortete er realistisch: „Ich kenne die Zukunft nicht.“
Sein Kernpunkt bleibt: Er kann kein Wertmodell für Bitcoin entwickeln wie bei klassischen Firmen. Aktien wie Coca-Cola oder Berkshire Hathaway kann man bis zu einem gewissen Grad prognostizieren – bei Bitcoin bleibt das Spekulation.
Auch wenn ein dramatischer Rücksetzer kommt (50 % oder mehr): Ja, es könnte Chancen geben – aber wie willst du bewerten? Wie willst du entscheiden, ob der Kurs gut genug ist, um reinzugehen? Für Tim liegt darin der grosse Unsicherheitsfaktor.
ETFs, institutionelles Geld – und das Blasenrisiko
Wir sprachen über den iShares Bitcoin ETF, der in kurzer Zeit grosse Mittel angezogen hat – für viele ein Ritterschlag der Kryptowelt. Aber Tim warnt:
- Neue Märkte und Trends ziehen oft überschwängliche Emotionen an.
- In der Tech-Blase 2000 haben sogar grosse Institute und Banken massiv Geld verloren.
- Wenn das Vertrauen kippt, kann der Ausverkauf schnell und heftig verlaufen.
Er sieht in Bitcoin Ähnlichkeiten zu einem Bank‑Run: Wenn viele gleichzeitig heraus wollen, wird’s schnell kritisch.
Was tun mit hohen Gewinnen – und wie verhalten bei Argumenten?
Ich wollte wissen: Angenommen du hättest Bitcoin mit hoher Rendite – wie würdest du reagieren, wenn Zweifel aufkommen?
Tim sagte:
- Er würde nicht vorschnell verkaufen, sondern bleiben – auch bei hoher Rendite.
- Als Langfristanleger ziehe er es vor, die Position bestehen zu lassen und nicht impulsiv zu handeln.
- Steuern, Timing, Emotionen – all das würde er mitbedenken.
Auch wenn in der Schweiz hypothetisch steuerfrei wäre, bliebe seine grundsätzliche Haltung: vorsichtig und abwartend.
Bitcoin in den USA: Wahrnehmung und Medien
Ein interessanter Aspekt war sein Blick aus den USA:
- Bitcoin und Krypto werden dort erwähnt – aber noch nicht als zentrales Thema.
- Skandalfälle wie Sam Bankman‑Fried haben das Image belastet und mediale Negativschlagzeilen erzeugt.
- So weckt das Thema Aufmerksamkeit – aber oft durch Extrembeispiele.
Tim berichtete, dass aus seiner Perspektive in New York Bitcoin noch oft als „Randthema“ behandelt wird – auch wenn das Interesse steigt.
Meine Analyse: Was bleibt – Stärke, Risiken, offene Fragen
Stärken & Chancen
- Bitcoin erzeugt Begeisterung, hat Netzwerk-Effekte, Dezentralität, Knappheit – all das sind Argumente, die viele überzeugen.
- Institutionelles Geld und ETFs sprechen für zunehmende Akzeptanz.
- Für einige speculative Investoren ist Bitcoin ein Weg zu hoher Volatilität und Renditechance.
Risiken & Schwächen
- Fehlende Bewertbarkeit: kein Fundament, kein greifbarer Wertmassstab.
- Volatilität & Vertrauensrisiko: Wenn grosse Akteure abspringen, kann’s schnell dunkel werden.
- Historisch junge Anlageklasse: Im Vergleich zu Gold oder Aktien kaum bewiesene Resilienz.
- Emotionsgetriebene Phasen: FOMO, Massenhypes und Panikphasen gefährden die Stabilität.
Offene Fragen
- Wird Bitcoin jemals ein “Produktivkapital” oder bleibt es Spekulation?
- Wie stark wird er sich gegen staatliche Regulierung behaupten?
- Wer sind die wahren Halter, und wie stabil ist ihr Verhalten?
- Wie verändert sich der Markt, wenn das sentiment kippt?
Fazit – Für wen ist diese Debatte relevant?
Ich sehe es so: Dieses Interview ist kein eindimensionales Plädoyer – es ist eine Einladung zum Denken.
Wenn du Pro‑Bitcoin bist, liefert dir Tim Argumente, die du kennen solltest. Wenn du skeptisch bist, findest du Bestätigung – aber auch Nuancen, die zeigen, dass es nicht schwarz‑weiss ist.
Ich persönlich bleibe bei meiner Neugier und Überzeugung – aber ich schaue auch hin, wo die Grenzen und Gefahren liegen. Denn wer investiert, sollte nicht nur in Chancen, sondern auch in Risiken gut eingestiegen sein.





















6 Responses
Hallo Thomas,
ich denke Tim hat Recht
Gruß 😘
Unser guter Timmy ist ein leidenschaftlicher Gurgler! Der weiß das!
Gruß
B.B. Mountain
Hallo Thomas
Wenn man Bitcoin unter dem Gesichtspunkt einer Investition betrachtet, mag das meiste stimmen. Ich selber bin kein Spezialist. Ich habe bis jetzt drei Bücher gelesen über Bitcoin und es kam beim ersten schon heraus, dass es bei Bitcoin um viel mehr geht als nur um ein Zahlungsmittel oder Investmentgut. Es steckt ja eine ganze Ideologie dahinter wie das zukünftige Geldsystem aussehen könnte ohne endlos Gelddrucken zu können, ohne Inflation etc. angepasst an das digitale Zeitalter. Ja, schlussendlich hat es mit Glauben zu tun, aber bei jeder Aktie muss ich auch ein Stück daran glauben egal wie die KPIs aussehen, denn der Markt kann ich auch bei gutem KGV nicht vorhersehen.
Dann hätten die Regierungen dieser Welt kein Geld mehr,um ihre Versprechen einzuhalten.
Es ist kein Geld und es wird kein Geld.
Solche Spekulationen habe ich in den Neunzigern schon mit gemacht.damals hieß es egold und ebuillion und so ein Quatsch.
Bin vollkommend bei dir Michel! Bitcoin ist das stärkste Werkzeug, das die Welt zum Besseren verändern kann – und es auch wird.
Bin vollkommen bei dir Michel! Bitcoin ist das stärkste Werkzeug, das die Welt zum Besseren verändern kann – und es auch wird.