Anthropic Börsengang: 2 Billionen Bewertung trotz 80 Milliarden Verlust

80.7 Milliarden Dollar Verlust in nur sechs Monaten, das sind über 440 Millionen pro Tag, und trotzdem soll der Anthropic Börsengang laut Berichten eine Bewertung von über 2 Billionen Dollar bringen. Das klingt völlig verrückt, lässt sich aber aufdröseln: Fast der ganze Verlust ist Buchhaltung, und im letzten Quartal hat die Firma hinter Claude sogar eine Milliarde operativen Gewinn gemacht. Ich zeige dir, woher die Zahlen kommen, was schiefgehen kann und ob ich die Aktie kaufe.
Swissquote Aktionscode MKT_SPARKOJOTE: 100 CHF Trading Credit
Was jetzt offiziell auf dem Tisch liegt
Am 26. Oktober hat Anthropic bei der SEC einen S-1 eingereicht, also einen offiziellen Börsenprospekt. Das ist Pflicht vor jedem US-Börsengang. Das Kürzel an der Nasdaq soll ANT sein, und Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley begleiten das Ganze.
Noch offen sind der Preis und die Anzahl Aktien. Das kommt erst nach der Roadshow, laut Berichten Mitte November. Aber schon die ersten Zahlen im Prospekt sind absolut crazy.
Ein Wachstum, das man kaum glaubt
2024 lag der Umsatz bei 386 Millionen Dollar, 2025 bei 4.6 Milliarden. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 16.3 Milliarden, in nur sechs Monaten. Das sind 1’300% mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein das zweite Quartal brachte 11.6 Milliarden, ein Jahr davor waren es 787 Millionen.
Und wer zahlt das alles? Über 1’900 Kunden bringen Anthropic mehr als 1 Million Dollar pro Jahr, rund 250 sogar mehr als 10 Millionen.
Spannend ist ein Satz, den man so nicht erwartet: „We do not expect our revenue will continue to grow at comparable rates.“ Die Firma sagt also selbst, dass sie nicht noch einmal mit diesem Tempo rechnet. Für einen Börsengang ist das eigentlich eher kontraproduktiv, aber es ist ehrlich.
Woher die 80 Milliarden Verlust wirklich kommen
Wenn das Geschäft so brummt, woher kommt dann der Verlust? Hier wird es spannend. Der Nettoverlust im ersten Halbjahr beträgt 80.7 Milliarden Dollar. Das eigentliche Geschäft, also der operative Verlust, liegt aber bei nur 693 Millionen.
Nimm als Analogie eine Firmengründung: Ein Kollege gibt dir 1’000 Franken und bekommt dafür einen Gutschein, den er später zum alten Preis in Anteile tauschen kann. Wird deine Firma zehnmal mehr wert, wird auch dieser Gutschein wertvoller. In der Buchhaltung ist dieser Wertzuwachs ein Verlust, obwohl kein einziger Franken dein Konto verlassen hat.
Genau das passiert bei Anthropic: 72.4 Milliarden entfallen auf Wandelanleihen, Derivate und Ähnliches, dazu kommen 8.8 Milliarden mit ähnlichen Effekten. Das sind diese 80 Milliarden. Der grösste Sprung kam im zweiten Quartal rund um die letzte Finanzierungsrunde. Der Verlust entstand also nicht trotz des Erfolgs, sondern wegen des Erfolgs.
Kein Geld geflossen, aber auch nicht gratis
Ganz harmlos ist das trotzdem nicht. Diese Gutscheine werden am Ende zu Aktien, und das verwässert die übrigen Aktionäre. Wer später einsteigt, teilt mit denen, die günstig reingekommen sind. So funktionieren wachsende Unternehmen über mehrere Finanzierungsrunden hinweg, aber du solltest es wissen, bevor du kaufst.
Die Marge, und warum ich hier vorsichtig bleibe
Im zweiten Quartal hat Anthropic eine operative Marge von 8% erreicht, das entspricht rund einer Milliarde operativem Gewinn. Die bereinigte Marge läge bei 19%. Achtung: Das ist eine eigene Kennzahl der Firma, die man mit Vorsicht geniessen muss. Da steckt viel Finanzmathematik drin.
🎁 Der Broker meiner Wahl ist Swissquote, ein sehr bekannter Schweizer Online-Broker. Mein vollständiges Depot befindet sich dort, mittlerweile mehr als 800’000 Franken. Ich investiere regelmässig über Aktien & ETF Sparpläne (Jetzt Neu auch mit Fractional Shares).
Swissquote, die Schweizer Bank für Investments, bietet eine Vielzahl an Anlagemöglichkeiten – von Aktien, Anleihen und ETFs bis hin zu Optionen und Rohstoffen.
Als Kunde kann man übrigens auch kostenlos in die Swissquote-Lounge in Zürich oder Gland, dort gibt es gratis Kaffee und Schokolade ;-). Wenn Du ein Depot bei Swissquote eröffnen willst, kannst Du bei der Anmeldung folgenden Aktionscode „MKT_SPARKOJOTE“ nutzen, um 100 CHF Trading Credits bei der Eröffnung zu erhalten (only for swiss residents). Nutze dazu diesen Link*.
Bedingungen und Anleitung Schritt für Schritt: Swissquote Aktionscode.
– Auf Persönliche Empfehlung vom Sparkojoten 🦊🇨🇭
Wohin das Geld tatsächlich fliesst
Im ersten Halbjahr gingen 8.9 Milliarden Dollar in Compute und Infrastruktur, das sind rund 55% des Umsatzes. Mehr als die Hälfte der Einnahmen fliesst also direkt wieder in die Rechenleistung. Für das Personal kamen 3.2 Milliarden dazu, für Verkauf, Marketing und Partner noch einmal 3.2 Milliarden. Bereits 2025 waren ausserdem 1.5 Milliarden für einen Vergleich in einer Urheberrechtsklage von Autoren fällig.
Anthropic beschäftigt rund 5’300 Mitarbeitende und kommt auf über 6.6 Millionen Dollar Umsatz pro Kopf. Das ist gigantisch und nur bei Software oder eben KI möglich. Auf der Bank liegen 112.4 Milliarden an Cash und 19.3 Milliarden in kurzfristigen Anlagen, insgesamt wurden bis Ende Juni 141.1 Milliarden eingesammelt.
Einen Haken sehe ich bei den sogenannten Take-or-Pay-Verträgen für Rechenzentren. Anthropic zahlt also auch dann, wenn die Kapazität gar nicht genutzt wird. Stehen die Rechner still, läuft die Rechnung trotzdem weiter.
Wer bei Anthropic das Sagen hat
Das ist für mich einer der interessantesten Punkte. Anthropic ist eine Public Benefit Corporation, hat also nicht nur den Gewinn, sondern auch einen Auftrag im Blick. Dazu kommen sieben Gründer und eine einzige Aktie der Klasse F. Diese bringt keinen Gewinnanteil, aber 50.1% der Stimmen.
Für dich als möglichen Aktionär heisst das: Du hast Anteil am Gewinn, aber kein grosses Mitspracherecht. Die Mehrheit ist von Anfang an klar geregelt.
Was die Aktie wert sein könnte
In der letzten Finanzierungsrunde im Mai und Juni lag der Preis bei 589 Dollar pro Aktie. Medien sprechen dabei von knapp einer Billion Dollar Bewertung. Der Börsengang soll laut Berichten über 2 Billionen bringen, also gut das Doppelte. Schon der SpaceX-Börsengang war crazy, aber Anthropic will wohl noch eine Schippe draufsetzen.
Du zahlst hier definitiv für Wachstum und nicht für etwas, das Anthropic garantieren könnte.
Der Bärenfall: Das kann schiefgehen
Ich sage es einfach, wie es ist: Es gibt auch den klaren Bärenfall. Die Verluste könnten weitergehen, und es könnte früher neues Geld brauchen als geplant. Dazu kommen die Fixkosten aus den Rechenzentrumsverträgen und Exportkontrollen für Chips. Sogar katastrophale, existenzielle Risiken durch KI stehen im Börsenprospekt. Das zeigt schon, wo wir heute stehen.
Und die Konkurrenz schläft nicht: OpenAI möchte laut Berichten 2027 ebenfalls an die Börse.
Kaufe ich die Aktie?
Das ist meine persönliche Meinung und keine Anlageberatung: Direkt am ersten Handelstag möchte ich nicht zeichnen, und ich würde das auch grundsätzlich niemandem empfehlen. Ich beobachte lieber die ersten paar Monate und schaue, ob sich gute Einstiegsmomente ergeben.
Langfristig glaube ich durchaus, dass Anthropic und auch OpenAI eine sehr grosse Rolle spielen werden, auch wenn lokale Modelle intelligenter werden. Dass künstliche Intelligenz gekommen ist, um zu bleiben, müssen wir wohl nicht mehr diskutieren. Mehr zur Blasenfrage liest du in KI in der Krise? Warum die Blase vielleicht gar nicht platzt. Bei einem so krassen Börsengang bleibe ich aber vorsichtig und halte erst einmal die Füsse still, ganz im Sinne von Warum ich jetzt Schiesspulver für den nächsten Börsencrash bereithalte.
Willst du trotzdem bei Börsengängen dabei sein, brauchst du einen Broker, der das anbietet. Bei mir läuft das Hauptdepot seit 2018 über Swissquote, wo ich sehr oft auch Zugang zu Börsengängen habe. Hoffentlich dann auch zu Anthropic. Meine Erfahrungen findest du in Swissquote Erfahrungen 2026: Mein Fazit nach 8 Jahren.
Fazit
Die 80 Milliarden Verlust sind weniger dramatisch, als sie klingen, denn der allergrösste Teil ist Buchhaltung. Das Wachstum ist gigantisch, und im zweiten Quartal ist das Geschäft bereits operativ profitabel. Gleichzeitig zahlst du bei einer Bewertung von über 2 Billionen sehr viel Zukunft im Voraus, hast als Aktionär wenig zu sagen und trägst Fixkosten für Rechenzentren mit.
Ich bleibe deshalb bei meinem Weg: nicht am ersten Tag zeichnen, in Ruhe die ersten Monate beobachten und dann schauen, ob sich ein Einstiegsmoment ergibt. Wie siehst du das? Würdest du beim Anthropic Börsengang direkt dabei sein oder erst einmal abwarten?



















