Steuer-Reserve in ETFs anlegen? Warum das riskant und oft ein Finanz-Fehler ist!
Die Steuerreserve in ETFs oder Aktien zu investieren klingt verlockend, ist aber eine der riskantesten Finanzentscheidungen überhaupt. Wer in der Schweiz mit der C-Bewilligung seine Steuern nachträglich zahlen muss, hat oft CHF 10’000 bis CHF 30’000 auf einem Konto liegen – für 12 bis 18 Monate ohne Rendite. Die Versuchung ist gross, dieses Geld kurzfristig anzulegen. Doch die Realität zeigt: Der potenzielle Gewinn steht in keinem Verhältnis zum existenziellen Risiko eines Liquiditätsengpasses.
Das Schweizer Steuersystem und seine Tücken
In der Schweiz funktioniert das Steuersystem nach dem Prinzip der nachträglichen Veranlagung. Das bedeutet konkret: Du arbeitest im Jahr 2025, reichst Anfang 2026 deine Steuererklärung für 2025 ein und zahlst die fälligen Steuern dann im Laufe des Jahres 2026 oder sogar erst 2027. Wer seine Steuererklärung erst im Sommer einreicht und noch eine Fristverlängerung bis November beantragt, hat das Geld teilweise fast zwei Jahre auf dem Konto liegen.
Für viele Steuerpflichtige bedeutet das: Monat für Monat wandern CHF 500, CHF 1’000 oder sogar CHF 2’000 auf ein separates Konto. Bei CHF 1’000 pro Monat sind das CHF 12’000 pro Jahr, die einfach „rumliegen“. Bei aktuellen Sparzinsen von 0.1% bis 0.5% auf normalen Sparkonten fühlt sich das wie Geldverschwendung an – besonders für Menschen, die sich mit Börse und Investments beschäftigen.
Das Best-Case-Szenario: Wenn alles perfekt läuft
Stell dir vor, du investierst deine gesamte Steuerreserve von CHF 12’000 in einen MSCI World ETF oder einen Vanguard All World ETF. Der Markt läuft perfekt, du erwischst einen Bullenmarkt und machst innerhalb von 15 Monaten eine Rendite von 15%. Dein Depot steigt auf CHF 13’800.
Die Rechnung im Idealfall:
- Investierter Betrag: CHF 12’000
- Rendite nach 15 Monaten: 15%
- Depotwert: CHF 13’800
- Gewinn: CHF 1’800
Du könntest deine Steuern vollständig bezahlen und hättest noch CHF 1’800 als Bonus übrig. Klingt fantastisch, oder? Genau hier liegt die Verlockung – und die Gefahr.
Das neutrale Szenario: Der Markt dümpelt vor sich hin
Realistischer ist folgendes Szenario: Der Markt schwankt seitwärts, macht mal 2% plus, dann wieder 3% minus. Am Ende stehst du nach 15 Monaten mit einer Gesamtrendite von 2% bis 4% da.
Die Rechnung im neutralen Fall:
- Investierter Betrag: CHF 12’000
- Rendite nach 15 Monaten: 2% bis 4%
- Depotwert: CHF 12’240 bis CHF 12’480
- Gewinn: CHF 240 bis CHF 480
Du kannst deine Steuern bezahlen, hast aber für das eingegangene Risiko einen lächerlich geringen Ertrag erzielt. CHF 240 bis CHF 480 in 15 Monaten – das sind gerade mal CHF 16 bis CHF 32 pro Monat. Ist dieses Risiko wirklich diese magere Rendite wert?
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Das Worst-Case-Szenario: Wenn der Markt einbricht
Jetzt wird es ernst: Der Aktienmarkt korrigiert um 15% bis 40%. Das ist keine Fantasie – solche Einbrüche gab es 2020 (Corona-Crash), 2022 (Zinserhöhungen, Ukraine-Krieg) und werden auch in Zukunft wieder vorkommen.
Die Rechnung im Krisenfall:
- Investierter Betrag: CHF 12’000
- Verlust nach 15 Monaten: -15% bis -40%
- Depotwert: CHF 7’200 bis CHF 10’200
- Fehlbetrag: CHF 1’800 bis CHF 4’800
Plötzlich fehlen dir CHF 1’800 bis CHF 4’800 für deine Steuerzahlung. Du musst entweder:
- Andere Investments liquidieren (möglicherweise mit Verlust)
- Eine Ratenzahlung mit dem Steueramt vereinbaren
- Einen Kredit aufnehmen
- Von deinem laufenden Einkommen abzwacken
Der psychologische Druck ist enorm. Du musst verkaufen, wenn der Markt am Boden ist – genau das Gegenteil von dem, was erfolgreiche Investoren tun. Dazu kommt möglicherweise Stress mit dem Steueramt, Verzugszinsen und schlaflose Nächte.
Mögliche Alternativen zur Börseninvestition
Sparkonto mit Minimal-Zinsen
Die konservativste Lösung: Du lässt das Geld auf einem normalen Sparkonto mit 0.1% bis 0.5% Zinsen liegen. Praktisch keine Rendite, aber absolute Sicherheit und jederzeitige Verfügbarkeit.
Festgeld und Termingeld
Bei einigen Schweizer Banken gibt es Festgeldkonten mit Laufzeiten von 12 bis 24 Monaten und Zinsen zwischen 1% und 2%. Der Nachteil: Dein Geld ist gebunden. Wenn du es früher brauchst, verlierst du die Zinsen oder musst Strafgebühren zahlen.
Kurzlaufende Anleihen
Schweizer Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten bieten minimale Renditen, sind aber sehr sicher. Der Aufwand lohnt sich für die meisten Privatpersonen jedoch nicht – die Rendite liegt oft unter 1% pro Jahr.
Geldmarktfonds
Geldmarktfonds investieren in sehr kurzfristige, sichere Anlagen. Sie bieten etwas mehr Rendite als Sparkonten, aber auch hier bewegen wir uns im Bereich von 1% bis 2% pro Jahr. Für den administrativen Aufwand kaum lohnenswert.
Ratenzahlung ans Steueramt
Eine oft übersehene Option: Viele Kantone bieten die Möglichkeit, bereits im laufenden Jahr Steuervorauszahlungen zu leisten. Dafür erhältst du tatsächlich Zinsen vom Steueramt selbst – je nach Kanton zwischen 0.5% und 2%. Das ist völlig risikofrei und administrativ einfach.
Mein konkretes Vorgehen in der Praxis
Ich habe in der Vergangenheit tatsächlich mit meinen Steuerreserven investiert – aber nur unter sehr spezifischen Bedingungen:
Meine Sicherheitskriterien waren:
- Genügend andere liquide Investments, die ich jederzeit verkaufen konnte
- Ein stabiles, hohes Einkommen, mit dem ich innerhalb von 3-4 Monaten die Steuern auch ohne Verkäufe zahlen konnte
- Ein diversifiziertes Gesamtportfolio, sodass der Steuerreserve-Anteil maximal 10% bis 15% meines Vermögens ausmachte
Trotzdem: In den letzten zwei Jahren bin ich komplett davon weggekommen. Der psychologische Stress und die mentale Last, ständig im Hinterkopf zu haben „diese CHF 15’000 sind eigentlich nicht mein Geld“, war es mir nicht wert. Die potenzielle Rendite von ein paar hundert Franken steht in keinem Verhältnis zur mentalen Belastung.
Separates Steuerkonto: Die praktische Lösung
Die beste Lösung für die meisten Menschen ist ein separates Steuerkonto. Ich empfehle beispielsweise Zak, wo du mit der Töpfe-Funktion verschiedene Konten innerhalb eines Hauptkontos führen kannst.
Die Vorteile:
- Klare Trennung zwischen Alltags- und Steuergeldern
- Keine Versuchung, das Geld für andere Dinge auszugeben
- Übersichtlicher Finanzfluss
- Kein Stress bei der Steuerzahlung
- Psychologische Entlastung
Du überweist jeden Monat automatisch deinen prozentualen Steueranteil auf dieses separate Konto. Das Geld ist für dich mental „weg“ und nicht Teil deines verfügbaren Budgets. Wenn die Steuerrechnung kommt, überweist du einfach vom Steuerkonto – fertig.
Warum kurzfristige Investments generell problematisch sind
Der fundamentale Fehler ist, dass Aktienmärkte auf Zeiträume von 12 bis 24 Monaten völlig unvorhersehbar sind. Langfristig – über 10, 15, 20 Jahre – tendieren Aktienmärkte nach oben. Aber kurzfristig können sie in beide Richtungen massiv schwanken.
Die Wahrscheinlichkeiten:
- 1 Jahr Anlagehorizont: Etwa 70% Chance auf positive Rendite
- 5 Jahre Anlagehorizont: Etwa 85% Chance auf positive Rendite
- 10 Jahre Anlagehorizont: Etwa 95% Chance auf positive Rendite
Bei Steuerreserven hast du aber keine Wahl: Du MUSST das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar haben. Du kannst nicht warten, bis sich der Markt erholt. Das ist der entscheidende Unterschied zu echten Investments.
Die Kosten der Sicherheit akzeptieren lernen
Ein wichtiger mentaler Shift: Die „fehlende Rendite“ auf deinem Steuerkonto ist nicht verlorenes Geld – es sind die Kosten für Sicherheit und Liquidität. Genau wie du für eine Versicherung bezahlst, „bezahlst“ du hier mit entgangenen Zinsen für die Gewissheit, dass dein Geld verfügbar ist, wenn du es brauchst.
Diese Kosten gehören zur finanziellen Reife:
- Cash-Reserven für Notfälle
- Steuerreserven
- Puffer für geplante Ausgaben
- Liquidität für Opportunitäten
Je größer dein Vermögen wird, desto wichtiger werden diese Sicherheitspolster. Erfolgreiche Investoren haben immer ausreichend Liquidität – nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie die Bedeutung von Handlungsfähigkeit verstehen.
Wann könnte eine Investition vertretbar sein?
Es gibt sehr wenige Szenarien, in denen eine Investition der Steuerreserve vertretbar sein könnte:
Bedingungen:
- Du hast ein sehr hohes, stabiles Einkommen (CHF 10’000+ netto pro Monat)
- Deine Steuerreserve macht maximal 10% deines Gesamtvermögens aus
- Du hast zusätzlich ein Notfall-Polster von mindestens 6 Monatsausgaben
- Du hast weitere liquide Investments, die du notfalls verkaufen kannst
- Du kannst psychologisch damit umgehen, wenn das Geld temporär 20% im Minus ist
Selbst dann ist die Frage: Warum? Für ein paar hundert Franken potenzielle Rendite nimmst du erheblichen Stress in Kauf. Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist einfach schlecht.
Fazit
Die Steuerreserve in ETFs, Aktien oder andere volatile Anlagen zu investieren, ist für die allermeisten Menschen keine gute Idee. Das potenzielle Risiko eines Liquiditätsengpasses steht in keinem Verhältnis zur möglichen Rendite von ein paar hundert Franken. Ein separates Steuerkonto mit klarer Trennung vom Alltagsgeld ist die beste Lösung für mentale Klarheit und finanzielle Sicherheit. Die „fehlende Rendite“ auf diesem Konto sind die Kosten für Sicherheit und Liquidität – und diese Kosten sind gut investiert. Wer unbedingt sein Steuergeld arbeiten lassen will, sollte maximal auf Festgeld, Termingeld oder Vorauszahlungen ans Steueramt mit minimaler Verzinsung setzen. Steuerreserven sind kein Investmentkapital – sie sind zweckgebundene Liquidität, und das sollten sie auch bleiben. Je grösser dein Vermögen wird, desto wichtiger wird diese Erkenntnis. Finanzielle Reife bedeutet auch, zu akzeptieren, dass nicht jeder Franken maximale Rendite erzielen muss.




















One Response
Hallo Thomas
Ich verstehe deinen Ansatz oder Idee das Geld nicht einfach rumliegen zu lassen. Es ist auch klar das es auf der Bank liegend eigentlich 0% Zinsen gibt.
Wenn man zusätzliches Geld übrig hat falls man doch investiert und dann das Worst Case Szenario eintritt, dann kann man die Steuerrechnung immer noch begleichen.
Es ist richtig das man sich das Geld ansparen „muss“ aber wenn die Rechnung dann kommt, überweise ich gleich alles und habe ab diesem Tag positive Zinsen von der Gemeinde. Zugegeben, nicht viel aber sicher und ich muss mich nicht um den Markt kümmern.
Einmal einbezahlt, spare ich erneut jeden Monat an und wenn dann ein Jahr die nächste Rechnung kommt, wieder sofort alles bezahlen und auf die kleinen aber sicheren Zinsen der Gemeinde setzen.
Mit Geld welches ich für die Steuern brauche würde ich nicht „spielen“ und auf den Markt „wetten“.
Beste Grüsse
Pascal