Nie wieder Margin Call! Wie Cash-Secured Puts deinen Optionshandel absichern
Erfahre in diesem ausführlichen Interview-Artikel, wie Vincent von freaky finance Optionen als strategisches Werkzeug für seinen Vermögensaufbau nutzt. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen seiner Anlagestrategie, analysieren seine jüngsten Investments und besprechen die wichtigsten Grundlagen für deinen erfolgreichen Einstieg in den Optionshandel.
Einleitung: Die Welt des intelligenten Optionshandels
Der Handel mit Optionen wird von vielen Privatanlegern oft skeptisch betrachtet. Zu kompliziert, zu risikoreich und nur etwas für Profis – so lauten die gängigen Vorurteile. Doch wenn du die Mechanismen hinter dieser Anlageklasse erst einmal verstanden hast, können Optionen eine hervorragende Ergänzung für dein Depot sein. Sie ermöglichen es dir, regelmässigen Cashflow zu generieren und Aktien mit einem eingebauten Rabatt zu erwerben.
In diesem Beitrag werfen wir einen genauen Blick auf ein Interview mit Vincent, dem Kopf hinter dem bekannten Finanzkanal freaky finance. Vincent ist seit nunmehr zehn Jahren im Optionshandel aktiv und teilt in diesem Gespräch seine wertvollsten Erfahrungen, seine jüngsten Käufe und die bitteren Lehren aus vergangenen Krisen.
Vincents aktuelle Investments: Ein „Luxusproblem“ voller Cash
Jeder Investor freut sich über Liquidität, doch manchmal kann ein plötzlicher Geldsegen auch eine Herausforderung darstellen. Vincent berichtet im Interview von einem sehr angenehmen Umstand: Er hat vor Kurzem eine Eigentumswohnung verkauft und verfügt nun über eine beträchtliche Menge an Cash, das er schrittweise wieder an den Märkten investieren möchte.
Auf die Frage nach seinen letzten Käufen erklärt Vincent: „Ich habe diese Woche drei verschiedene Aktien gekauft. Darunter war Iberdrola, ein spanischer Energieversorger, und die Jumbo-Aktie aus Griechenland. Die dritte Aktie fällt mir spontan gar nicht mehr ein – ich habe aktuell einfach ein echtes Luxusproblem mit viel Cash aus dem Wohnungsverkauf.“
Diese Aussage zeigt, dass selbst erfahrene Investoren bei einer grossen Menge an verfügbarem Kapital strukturiert vorgehen müssen, um das Geld nicht überstürzt, sondern gezielt in solide Werte fliessen zu lassen.
Optionen als Cashflow-Maschine im Depot
Für Vincent sind Optionen kein reines Spekulationsinstrument, sondern ein wesentlicher Bestandteil seiner Einkommensstrategie. Neben klassischen Dividendenaktien nutzt er derivative Finanzinstrumente, um regelmässige Einnahmen zu erzielen.
Wie Optionen zusätzlichen Cashflow generieren
Vincent erklärt seine Vorgehensweise wie folgt: „Ich bin mit Optionen sehr aktiv und konzentriere mich dabei hauptsächlich auf sogenannte Cash-Secured Puts. Das heisst, ich verkaufe Put-Optionen auf Aktien, die ich mir ohnehin sehr gut in meinem Depot vorstellen kann.“
Der grosse Vorteil dieser Strategie: Solange die Aktie nicht unter den vereinbarten Basispreis (Strike) fällt, behält Vincent die eingenommene Prämie als reinen Gewinn. Kommt es doch zur Andienung – also zum Kauf der Aktie –, ist das für ihn kein Problem, da er die Titel ohnehin langfristig halten möchte. Sobald sich die Aktien in seinem Depot befinden, wendet er oft die nächste Stufe an: Er verkauft Covered Calls auf diese Bestände, um eine weitere Prämie zu vereinnahmen. Auf diese Weise generiert er Cashflow aus drei verschiedenen Quellen:
- Prämien durch den Verkauf von Puts
- Regelmässige Dividendenzahlungen der gehaltenen Aktien
- Zusätzliche Prämien durch das Schreiben von Covered Calls
Laufzeiten und Diversifikation beim Optionshandel
Eine der häufigsten Fragen von Einsteigern betrifft die optimale Laufzeit einer Option. Sollte man eher kurzfristige Kontrakte wählen oder auf längerfristige Absicherungen setzen?
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Diversifikation über die Laufzeit hinweg
Im klassischen Optionshandel wird oft empfohlen, Laufzeiten zwischen 30 und 60 Tagen zu wählen, da in diesem Zeitraum der Zeitwertverlust der Option am schnellsten voranschreitet. Vincent weicht hier jedoch bewusst von starren Mustern ab: „Bei mir ist das komplett unterschiedlich. Typischerweise nutzt man 30 bis 60 Tage, aber ich setze auch auf sehr lang laufende Optionen, sogenannte LEAPS.“
Vincents Ziel ist es, eine umfassende Diversifikation in seinem Portfolio zu etablieren. Das betrifft nicht nur verschiedene Branchen und Einzelaktien, sondern eben auch die zeitliche Komponente. Durch die Kombination von kurz- und langfristigen Optionen stellt er sicher, dass sein Depot widerstandsfähiger gegen kurzfristige Marktschwankungen ist.
Das Sicherheitskonzept hinter Cash-Secured Puts
Der Begriff Cash-Secured ist für Vincent der absolute Schlüssel zu einem soliden Risikomanagement. Er warnt im Gespräch eindringlich davor, Optionen auf Pump zu schreiben.
Die Gefahren der Margin im Drawdown
Viele Broker gewähren ihren Kunden einen grossen Hebel in Form von Margin-Konten. Dadurch verlocken sie Trader dazu, deutlich mehr Optionen zu verkaufen, als es ihr eigentliches Kapital zulassen würde. Vincent hat hierzu eine klare Meinung: „Wenn ich eine Aktie angedient bekomme, möchte ich das Cash dafür bereits im Depot vorhalten. Man kann zwar über die Margin des Brokers viel mehr Puts verkaufen, aber das wird in einem echten Markt-Drawdown extrem gefährlich.“
Wenn die Kurse auf breiter Front einbrechen, werden plötzlich viele Puts gleichzeitig fällig. Wer dann kein echtes Cash auf dem Konto hat, um die Aktien zu bezahlen, wird vom Broker gezwungen, die Positionen mit massiven Verlusten zu schliessen oder rutscht tief in die Verschuldung.
Die Jagd nach der passenden Prämie
Wie entscheidet ein Profi, ob sich ein Trade überhaupt lohnt? Ich frage Vincent, ob er auf prozentuale Mindestrenditen achtet oder andere Kriterien heranzieht.
Vincent gesteht offen: „Ein prozentualer Ansatz wäre vermutlich viel intelligenter, aber ich schaue eher pragmatisch auf die absoluten Zahlen. Ich versuche, bei meinen Trades mindestens eine Prämie von 35 bis 50 Dollar zu erzielen.“
Dabei unterscheidet er zwischen äusserst defensiven Sicherheitstrades und risikoreicheren Positionen. Wenn er von einer Aktie besonders überzeugt ist und diese unbedingt erwerben möchte, wählt er einen engeren Abstand zum aktuellen Kurs. In-the-Money-Optionen (Optionen, die bereits im Geld liegen) meidet er dagegen fast vollständig, da sein Hauptfokus auf dem sicheren Erhalt der Prämie liegt.
Direktkauf via Limit-Order vs. Cash-Secured Put
Wenn Cash-Secured Puts so viele Vorteile bieten, warum hat Vincent seine jüngsten Aktienkäufe wie Iberdrola oder Jumbo dann direkt über klassische Limit-Orders getätigt?
Das Hunderter-Paket und das Liquiditätsproblem
Vincent erklärt diesen scheinbaren Widerspruch mit den Marktgegebenheiten: „Zum einen entspricht ein Optionskontrakt immer genau 100 Aktien. Bei sehr teuren Aktien erfordert das sofort einen enormen Kapitalaufwand, den man erst einmal blockieren muss.“
Ein weiterer, noch entscheidenderer Punkt ist die Liquidität der Optionsketten. Während der US-Markt eine gigantische Auswahl an hochliquiden Optionen bietet, sieht es bei europäischen oder gar griechischen Nebentiteln oft düster aus. Auf viele europäische Aktien gibt es entweder überhaupt keine Optionen oder die Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis sind so gross, dass sich ein Trade schlichtweg nicht lohnt. In solchen Fällen greift Vincent ganz klassisch zur Limit-Order.
Lessons Learned: Vincents grösster Fehler im Corona-Crash
Niemand wird als perfekter Trader geboren, und auch Vincent musste im Laufe seiner zehnjährigen Karriere herbe Rückschläge verkraften. Seine schmerzhafteste Lektion erteilte ihm der Markt während des Corona-Crashs im Frühjahr 2020.
Vincent erinnert sich: „Mein grösster Fehler war es, zu viele Positionen gleichzeitig offen zu haben, die nicht vollständig durch Cash gedeckt waren. Als der Markt im Zuge von Corona rasant einbrach, drohten mir unzählige Andienungen.“
Da er nicht über ausreichend liquide Mittel verfügte, um all diese Aktienpakete tatsächlich zu kaufen, war er gezwungen, die Optionen zu historisch schlechten Bedingungen teuer zurückzukaufen. Das Resultat waren schmerzhafte, realisierte Verluste. Seit diesem Ereignis gilt für Vincent die unumstössliche Maxime: Es wird ausschliesslich cash-secured gehandelt.
Die extremen Risiken von ungedeckten Calls (Naked Calls)
An dieser Stelle ein wichtiger Warnhinweis für alle Zuschauer und Leser: Ich möchte betonen, dass ungedeckte Optionen – insbesondere nackte Calls (Naked Calls) – brandgefährlich sind.
Vincents Erfahrung mit der Münchener Rück
Vincent stimmt mir zu und teilt eine Anekdote aus seinen Anfangstagen: „Ich habe in meiner Anfangszeit einmal ungedeckte Calls auf die Münchener Rück geschrieben. Die Aktie stieg und stieg einfach immer weiter.“
Wer einen nackten Call verkauft, verpflichtet sich, 100 Aktien zu einem bestimmten Preis zu liefern, ohne diese Aktien tatsächlich zu besitzen. Steigt der Kurs ins Unermessliche, ist das Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt. Am Ende musste Vincent die Position mit grossem Verlust schliessen. Zudem reagieren Banken und Broker bei ungedeckten Calls extrem nervös und fordern im Rahmen eines Margin Calls sehr schnell frisches Kapital ein, um die Position zwangsweise glattzustellen.
Tipps für den erfolgreichen Einstieg in den Optionshandel
Wenn du nun selbst mit dem Gedanken spielst, in den Optionshandel einzusteigen, solltest du laut Vincent einige Voraussetzungen erfüllen. Es ist wichtig, dass du bereits ein solides Fundament an der Börse hast und verstehst, wie sich Aktienmärkte verhalten. Zudem erfordert dieser Ansatz aktive Beschäftigung und ist kein rein passives Investmentprodukt wie ein ETF-Sparplan.
Das praktische Beispiel mit der Coca-Cola-Aktie
Um die Funktionsweise eines Cash-Secured Puts besser zu verstehen, hilft ein einfaches Praxisbeispiel:
- Die Ausgangslage: Die Coca-Cola-Aktie steht aktuell bei 75 Dollar. Du findest das Unternehmen grossartig, möchtest aber erst bei 70 Dollar einsteigen.
- Der Trade: Statt eine normale Limit-Order aufzugeben, verkaufst du einen Cash-Secured Put mit dem Strike bei 70 Dollar und einer Laufzeit von 6 Wochen.
- Die Prämie: Für diesen Verkauf erhältst du sofort eine Prämie von beispielsweise 100 Dollar auf dein Konto gutgeschrieben. Diese Prämie gehört in jedem Fall dir.
- Szenario A (Kurs bleibt über 70 Dollar): Die Aktie notiert am Ende der 6 Wochen bei 72 Dollar. Die Option verfällt wertlos. Du behältst die 100 Dollar Prämie und kannst den Trade mit einer neuen Laufzeit wiederholen.
- Szenario B (Kurs fällt unter 70 Dollar): Die Aktie schliesst am Laufzeitende bei 68 Dollar. Du bist nun verpflichtet, 100 Aktien von Coca-Cola für je 70 Dollar zu kaufen (Gesamtaufwand: 7000 Dollar). Da du aber bereits 100 Dollar Prämie erhalten hast, liegt dein effektiver Kaufpreis bei nur 69 Dollar pro Aktie. Du hast die Aktie also mit einem deutlichen Rabatt gegenüber dem ursprünglichen Kurs erworben.
Risiko begrenzen mit Spreads
Für Anleger mit kleineren Depots, die keine 7000 Dollar für ein einziges Aktienpaket blockieren können oder wollen, empfiehlt Vincent das Thema Spreads. Bei einem sogenannten Bull Put Spread verkaufst du eine Option und kaufst gleichzeitig eine weitere Option zu einem noch tieferen Strike-Preis.
Dadurch wird dein maximaler Verlust im Vorfeld auf die Differenz zwischen den beiden Strikes (abzüglich der eingenommenen Prämie) exakt begrenzt. So kannst du auch mit kleinerem Budget am Optionsmarkt partizipieren, ohne Angst vor existenzbedrohenden Verlusten haben zu müssen. Der Optionshandel bietet dir somit eine flexible Werkzeugkiste, mit der du dein Risikoprofil ganz individuell nach deinen eigenen Bedürfnissen gestalten kannst.


















